top of page

Komm, ich zeig dir Fröhstockheim

Dorfrundgang mit dem Fröstockheimer

Peter Hirschberger


Fröhstockheim ist der kleinere Gemeindeteil von Rödelsee und ein geschichtsträchtiger Ort, dessen Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen und dessen lebendige Dorfgemeinschaft ebenso einladend für einen Besuch ist wie so manches offensichtliche oder auch versteckte Kleinod.


Peter Hirschberger | Ehem. Gemeinderat, Vorsitzender des Männergesangsvereins, ehrenamtlicher Archivar
Peter Hirschberger | Ehem. Gemeinderat, Vorsitzender des Männergesangsvereins, ehrenamtlicher Archivar


Die erste urkundliche Erwähnung fand 1142 statt, als das Dorf unter fränkischer Herrschaft stand. Wie viele Orte in Unterfranken war auch Fröhstockheim gen Rödelsee eng mit dem Weinbau verbunden, der bis heute eine bedeutende Rolle spielt. Die Lage nahe des Mains und die fruchtbaren Böden machten die Region schon früh zu einem wichtigen Zentrum für den fränkischen Weinbau. Die enge Verbindung zu einflussreichen Adelsfamilien, darunter die von Fuchsen und später die Familie von Crailsheim, prägte die Entwicklung des Ortes nachhaltig.


Wer viel über die Geschichte Fröhstockheims weiß ist Peter Hirschberger. Der erst 1984 hierhergezogene ehemalige Gemeinderat war nicht nur maßgeblich an der Entwicklung der Dorferneuerung beteiligt, die den Ort uns seine Straßen und Wege deutlich aufwertet. Der leidenschaftliche Schreiner, dessen Spezialität Handtaschen aus Holz sind, hat sich als langjähriger Vorsitzender des Männergesangvereins sowie ehrenamtlicher Archivar um die Geschichte der Gemeinde verdient gemacht.


Ein Dorfrundgang mit Hirschberger beginnt an der Kirche St. Laurentius, an der auch die Fröhstockheimer Info-Stele sowie das Kriegerdenkmal und die Dorflinde stehen. Hirschberger vermutet, das hier einst – wie in ähnlichen Dörfern an solch zentralen Orten üblich – einmal sechs Linden standen, unter denen bei Festen wie der Kirchweih dann auch getanzt wurde.


Die beeindruckende Kirche alleine ist schon sehenswert, wurde sie doch schon im frühen Mittelalter errichtet. Die Kirche ist ein zentrales religiöses und kulturelles Wahrzeichen des Ortes und zeugt von der langen Tradition des Christentums in Fröhstockheim. Besonders bemerkenswert ist ihr prächtiger Hochaltar sowie die kunstvollen Deckenmalereien, die biblische Szenen darstellen. „Von nah und fern kommen immer wieder Gäste hierher, die alleine die Kassettendecke des Künstlers Hubert Distler mit ihren 48 Feldern ansehen wollen“, sagt Hirschberger.


Eines der wertvollsten Ausstattungsgegenstände ist mit Sicherheit ein Epitaph aus dem Jahr 1596, das nach dem Tod des einstigen Dorfherren Ernst von Crailsheim Ende des 16. Jahrhunderts aufgestellt wurde.



Sein einstiger Wohnort liegt nur einen Sprung von der

Kirche entfernt: Schloss Crailsheim in Fröhstockheim ist ein historisches Bauwerk mit einer langen und bewegten Geschichte. Es wurde um 1530 von der fränkischen Adelsfamilie von Crailsheim errichtet und wurde im Bauernkrieg zuerst zerstört, dann wieder aufgebaut. Der Bau weist einen rechteckigen Grundriss auf und verfügt über einen markanten Treppenturm, der ein charakteristisches Element dieserEpoche ist.


Die Familie von Crailsheim nutzte das Schloss über Jahrhunderte hinweg als ihren Wohnsitz und als Verwaltungszentrum für ihre Ländereien in der Umgebung. Fröhstockheim war in jener Zeit stark von der Landwirtschaft und insbesondere vom Weinbau geprägt, wovon auch die Wirtschaftsgebäude rund um das Schloss zeugen. Die Region wurde mehrfach von durchziehenden Truppen geplündert und verwüstet, was auch Schloss Crailsheim betraf. Dennoch blieb das Bauwerk weitgehend erhalten oder wurde nach dem Krieg wieder instand gesetzt. Die nachfolgenden Jahrhunderte brachten einige

Umbauten und Modernisierungen mit sich, um den Wohnkomfort der adeligen Bewohner zu verbessern.


Mit der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts, als viele kirchliche und adelige Besitztümer aufgelöst wurden, kam es auch in Fröhstockheim zu Veränderungen. Schloss Crailsheim blieb jedoch im Besitz der Familie. Zu Besuch kam auch oft Graf Friedrich August Ernst Gustav Christoph Krafft Freiherr von Crailsheim (1833 bis 1903), deutscher Staatsmann und bayerischer Politiker. Er war von 1880 bis 1903 Mitglied des bayerischen Ministerrats und diente von 1881 bis 1903 als Außenminister des Königreichs Bayern. Von 1890 bis 1903 war er zudem bayerischer Ministerpräsident.



Sehenswert ist sicherlich auch der Friedhof am Ortsrand mit seinem Mausoleum der Familie von Crailsheim. Es wurde im 19. Jahrhundert errichtet und dient als letzte Ruhestätte für Mitglieder der Adelsfamilie. Heute befindet sich das Schloss in Privatbesitz. Daneben gibt es aber noch weitere interessante Orte, die nicht gleich so schnell die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Zum Beispiel gleich gegenüber der Kirche ein Haus, in dem der alte Schlossherr nach seinem Abdanken seinen Alterssitz einnehmen durfte.




Aber auch das ehemalige Wirtshaus Luntz mit seinen Ursprüngen im Jahr 1732, das ebenso wie das einstige Pfarrhaus unmittelbar daneben heute bewohnt ist.







Wenige Meter weiter steht das Haus, in dem Richard Rother (1890–1980) zehn Jahre lang gelebt hat. Der Holzschneider, Grafiker und Maler ist besonders für seine Holzschnitte bekannt, die oft Natur- und Heimatmotive darstellten. Rother war ein wichtiger Vertreter des expressiven Holzschnitts im 20. Jahrhundert und blieb bis zu

seinem Tod Fröhstockheim verbunden. Bis auf wenige Leerstände in der Ortsmitte sind die Häuser in Fröhstockheim allesamt bewohnt. Dass sich hinter einigen Mauern ehemalige Handwerksbetriebe verstecken, wissen nur noch die Alten beziehungsweise die historisch Interessierten.


Peter Hirschberger zeigt die ehemalige Zehntscheune, die alte Schmiede oder die ehemalige Schule. Ein ziegelsteinfarbener Schornstein verweist noch auf eine ehemalige Mälzerei.







In den Blick fällt schnell das kleine Waaghäuschen aus dem Jahr 1923, in dem einst der Dorfdiener saß, der das Gewicht der sich auf der daneben stehenden Waage befindlichen Waren bestätigte.







Dahinter sieht man die unscheinbar scheinende Gemeindescheune, in der die Fröhstockheimer Vereine alle Utensilien wie Tische, Bänke, aber auch Grills verstaut haben, die bei den regelmäßigen Festen raus kommen. Allen voran die Kirchweih, die um den Todestag des Heiligen Laurentius, der ja auch Patron der Kirche ist, jedes Jahr am 10. August gefeiert wird. Laurentius von Rom ist einer der bekanntesten frühchristlichen Märtyrer und Schutzpatron von Feuerwehrleuten, Köchen, Bierbrauern, Bibliothekaren und Armen.


Weiter geht’s vorbei am ehemaligen Kolonialmuseum, das Gebäude ist schon lange verkauft. Der Krämerladen der Hutzelmanns gibt es auch schon lange nicht mehr, auch nicht mehr die Gastwirtschaft Döblinger. Manche Straßennamen in Fröhstockheim führen auf falsche Fährten. So ist am Ende der Brunnengasse ein Zaun zu finden – aber eben kein Brunnen, der dort aber in früherer Zeit mal stand. Dafür gibt es noch den Johannes-, den Frosch- sowie den „Kuffenbrunnen“. Und warum ein anderer Ort als „Junghans-Platz“ im örtlichen Volksmund bekannt ist? Peter Hirschberger erklärt, dass in einem der dortigen Häuser einst ein Uhrmacher lebte, der Platz davon wurde dann kurzerhand nach dem bekannten schwarzwäldischen Uhrmacher Junghans benannt.


In Richtung Rödelsee ist mit einem Schnapsbrenner und einem gegenüberliegendem Elektro-Betrieb wenigstens noch ein bisschen Handwerk vor Ort. Zwei ehemalige Mühlen zeugen noch von einem weiteren, alten Beruf. Die lagen am Dorfbach, dessen Lauf mittlerweile geändert wurde. Die untere Mühle existiert nicht mehr. Wer den liebevoll eingerichteten Spielplatz mit Kindern besucht, kann im klaren, kalten Wasser dann die Füße baumeln lassen.


Text: Timo Lechner, Fotos: studio zudem

Kommentare


Gemeinde Rödelsee

Vinfothek Schloss Crailsheim

Schlossstraße 2 

97348 Rödelsee
Tel. 09323 / 877 3663 

info@vinfothek-roedelsee.de

Winteröffnungszeiten:

November bis März:

Mo. – Do.:     14 – 18 Uhr

Fr.:                  12 – 20 Uhr

Sa.:                  11 – 18 Uhr

So.:                  14 – 18 Uhr

Sommeröffnungszeiten:

April bis Oktober:

Mo.:   10 – 18 Uhr

Di.:     12 – 18 Uhr

Mi.:     12 – 18 Uhr
Do.:     12 – 18 Uhr

Fr.:      10 – 19 Uhr

Sa.:      10 – 19 Uhr

So.:      13 – 19 Uhr

  • Facebook - Weiß, Kreis,
bottom of page